Die Brüder von Campill
Campill (ladinisch Longiarù) ist ein bäuerliches Bergdorf mit kaum 700 Einwohnern auf 1.400m Meereshöhe, mitten in den Dolomiten des Gadertals. Die Besonderheit des Dorfes sind die sogenannten "Viles", kleine Wohnsiedlungen, die aus eng zusammengehörigen Gebäuden bestehen. Sie stellen eine wichtige Spur des bäuerlichen Lebens vergangener Zeiten im Gadertal dar.
Zu den Gebäuden, die von den alten Traditionen erzählen, gehören auch die Wassermühlen, die sich entlang aller Bäche in Longiarù befinden. Sie zeugen von einem schon früh autarken und wirtschaftlich unabhängigen Leben der lokalen Bevölkerung. Auch im Mühlental, neben den Viles in Seres und Miscì, befinden sich solche alten Wassermühlen.
Bezugnehmend auf diese Bautradition vergangener Zeiten entstanden die zwei auf einem sanft abfallenden Grundstück positionierten Wohngebäude. Die identischen und kompakten Baukörper mit quadratischem Grundriss wachsen über einem Untergeschoss je drei Geschosse in die Höhe. Durch das diagonal aufgesetzte, nach Süden orientierte Pultdach und die Anordnung der Volumina zeigt sich zum Tal hin die traditionelle Satteldachform. Ein großzügig im Dach integriertes Fenster ermöglicht am Nordhang, nahe der Waldgrenze, eine optimale Lichtausnutzung über den gesamten Tageslauf.
Die Gebäude wurden in Massivbauweise errichtet, die Fassade besteht aus einer schwarz lasierten Lärchenholzschalung.

Bauherr: privat
Ort: St. Martin in Thurn / Südtirol
Kubatur: 1.215 m³
Projekt und Realisierung: 2013-2020
Mitarbeit: Gerda Villgrater, Frank Oberlerchner
Fotos: Gustav Willeit

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