Wettbewerb – Gedenkstätte, Gusen
Anerkennung, über 2. Stufen
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Zur Zeit der Nationalsozialisten befand sich in der österreichischen Gemeinde Gusen ein KZ-Außenlager. Wer heute die Relikte dieses ehemaligen Konzentrationslagers besucht, der erlebt einen stark fragmentierten und zerteilten Ort. Einen Ort, der geprägt ist von Überbauung, Verschüttung und Abgrabungen, die seit dem zweiten Weltkrieg stattgefunden haben. In den letzten Jahrzehnten ist es jedoch gelungen, Teile des ehemaligen Lagerareals zurückzukaufen. Unter Einbezug vielseitiger Interessensvertreter und Opferverbände wurde ein Wettbewerb ausgelobt, der zum Ziel hatte, eine Architektur zu finden, die die vielseitigen Wünsche und historischen Schichten des Ortes respektieren und erlebbar machen. Ein Besuch der historischen Relikte soll so ermöglicht werden.

Unser Entwurf arbeitet mit der vorgefundenen Fragmenthaftigkeit des Ortes. In ihr liegt eine harte Ehrlichkeit, eine starke symbolische Kraft. Ein Ort der trotz Veränderungen und Verdrängungen unausweichlich existiert. Dieser Spannung von Relikten wird in unserem Entwurf Raum geben. Ein Ort der sich der konsensualen gesellschaftlichen Geschichtserzählung entzieht, der aber da ist, präsent und unausweichlich.

Für die Ausformulierung der neuen Einbauten, Gebäude und Gedenkorte nehmen wir die rigide, einfache Form der ehemaligen Lagerbauten auf und SCHAFFEN MIT DER SILHOUETTE DIESER ARCHAISCHEN BAUFORM VERSCHIEDENE ATMOSPHÄRISCH PRÄGENDE RAUMSITUATIONEN. Es braucht eine dezente Führung von Blick, um den Ort in seiner mahnenden Stille erfahrbar zu machen. Die einfache Form der ehemaligen Lagerstrukturen hat eine fast universelle Banalität, jedoch fragmenthaft angewandt schafft sie unterschiedliche klare und gleichzeitig deutungsfreie Orte. Die Einbauten erzeugen das Gefühl dass ARCHITEKTUR HIER EINE REIN DEM ORT DIENENDE FUNKTION HAT, wie Werksgebäude auf Industrieanlagen oder landwirtschaftliche Gebäudeformationen. Eine Linienführung als Konsequenz von Geschichte und Topografie.

DER BODEN MIT SEINEN ZEITSCHICHTEN UND RELIKTEN ALS ORT DES VERBRECHENS WIRD IM LAGER UND ZWANGSARBEITERBEREICH NIE DIREKT BETRETEN, SONDERN RESPEKTIERT.  Der Boden spricht für sich und soll in respektvollem Abstand erfahren und betrachtet werden können. Dafür werden die Besucher zu Beginn des ehemaligen Lagerbereichs über eine flache Rampe auf einen Steg geführt, der in 50-80cm Höhe über dem Boden durch den Lagerbereich und über den ehemaligen Appellplatz führt. Nach verlassen des historischen Lagerbereichs und mit Zugang zum ehemaligen Zwangsarbeiterbereich folgt eine Rinne, die zum eingegrabenen Raum der Stille führt. NEBEN DEM BODEN SPIELT HIER DER HIMMEL EINE ROLLE IM EMPFINDEN DES ORTES. ER STEHT, EBENSO WIE DIE NATUR, FÜR DAS FORTSCHREITEN DER ZEIT. Der Blick Richtung Himmel, wie er heute nicht anders erscheint als damals – voller Angst, Hoffnung, Zuversicht oder Trauer. BODEN UND HIMMEL BILDEN DEN FOKUS DES BESUCHES DES GEDENKSORTES.
Aus dem Protokoll der Jury: „Der vorliegende Gestaltungsansatz überzeugt durch eine klare Setzung der architektonischen Eingriffe. Die Abstrahierung und Übersetzung der rigiden, funktional motivierten Architektursprache der Lagerbauten in angemessene, dem Ort und seiner Bedeutung verträgliche Interventionen wird von der Jury überwiegend positiv bewertet. Die Wahl der Materialisierung („verbranntes“ Holz) als verbindendende Klammer der einzelnen Sequenzen der Gedenkstätte kann ebenfalls überzeugen. (…) Das städtebauliche Konzept ist klar und gut verständlich. Das Grundmotiv wird entsprechend den funktionalen und atmosphärischen Bedingungen variiert. Die unterschiedlichen Dachformen versprechen gute räumliche Konstellationen. Damit entstehen einprägsame Orte, die jedoch ausreichend Raum für individuelle Deutungen erlauben. (…) Die Materialwahl wird positiv gesehen und ist vielversprechend. Ebenso kann die einfache Grundstruktur des Projekts überzeugen. Es sind interessante räumliche Konstellationen vorstellbar.“

Wettbewerb: 2025 - 2. Stufe Anerkennung
Bauherr: Republik Österreich
Ort: Gusen / Österreich
Kubatur: 50.000 m³
Baukosten: 22.5 Mio
Mitarbeit: Jonathan Brügmann, Michael Rollmann

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