Bildungszentrum Kössen

Am nördlichen Rand des Siedlungskerns von Kössen, zwischen Rathaus, Kirche und Ortsbühne, entsteht das Bildungszentrum Kössen. Hier werden Volksschule, Kindergarten, Kinderkrippe, Hort und Sporthalle unter einem Dach zusammengeführt. Was auf den ersten Blick wie eine funktionale Bündelung wirkt, ist in Wirklichkeit ein starkes Bekenntnis zu einer Bildungslandschaft, die Generationen verbindet und in der Lernen, Spielen, Arbeiten, Ankommen und Verweilen selbstverständlich ineinandergreifen. Das Bildungszentrum versteht sich als neues Herzstück am Rand des Dorfes, als Bindeglied zwischen dem öffentlichen Leben im Zentrum und den angrenzenden Wohnquartieren.

Die Entstehung dieses Hauses ist kein linearer Prozess hinter verschlossenen Türen, sondern ein kontinuierlicher Dialog zwischen Ort, Nutzer*innen und den Menschen, die das Gebäude bauen. Die Projektentwicklung ist bewusst als Abfolge von Phasen angelegt, von den Nutzergesprächen über Entwurfs- und Genehmigungsplanung bis hin zur Ausführung. Hinter den Meilensteinen stehen viele Gespräche, Entscheidungen und das Bewusstsein, dass hier ein Haus entsteht, das die Gemeinde über Jahrzehnte begleiten wird. Am Anfang steht der Blick auf das, was schon da ist: Die traditionellen Dorf- und Bauernhäuser von Kössen erzählen von einem robusten, ruhigen Bauen. Diese Bilder werden nicht einfach übernommen, sondern in ein Konzept für das Bildungszentrum übersetzt: Nach außen Robustheit und Bodenständigkeit, nach innen Atmosphäre und Sinneshaptik. 

Wie die großen, schweren Bauernhäuser soll das Bildungszentrum im Ortsbild eine unaufgeregte, selbstverständliche Präsenz entfalten. Kindergarten, Schule und Hort verfügen über jeweils eigene Eingänge, die sich alle auf einen gemeinsamen, überdachten Vorplatz orientieren. Die abgestufte Höhenentwicklung gliedert zugleich die Außenräume. Innen und Außen sind nicht als getrennte Welten gedacht, das Raumgefüge wird zu einer offenen Bildungslandschaft. Auch die Farbigkeit des Hauses ist eng mit Kössen verknüpft. Die Außenhaut ist gleichzeitig als langlebige, betrieblich robuste Konstruktion konzipiert. Im Inneren besteht ein klarer Kanon an natürlichen, regionalen Materialien, denen ausdrücklich erlaubt ist, zu altern und zu reifen.In den Details verdichtet sich der Ortsbezug. Die Neuinterpretation des traditionellen Kreuzelstichs zieht sich wie ein leiser, aber konsequenter Faden durch das ganze Haus. Die Eingangstür spielt dabei eine besondere Rolle. Als „Gesicht des Hauses“ nimmt sie die Analogie historischer Bauernhaustüren und ihrer Rautenmotive auf und übersetzt sie in eine zeitgenössische Form. An dieser Schwelle sind Robustheit nach außen und Wärme nach innen unmittelbar spürbar, ein Moment, in dem der Charakter des Hauses sich zeigt, bevor man es betritt.
Das Bildungszentrum Kössen ist weit mehr als eine funktionale Infrastruktur für Unterricht und Betreuung. Es versteht sich als emotionaler Raum, der die ersten prägenden Jahre von Kindern und ihrer Eltern gleichermaßen begleitet.
Ein Haus, das nicht nur Bildung vermittelt, sondern Emotionen, soziale Kompetenz und kulturelle Identitäten stärkt — Tag für Tag, Jahr für Jahr.
Wettbewerb: 2022 - 1. Platz
Projekt und Realisierung: 2023 - 2025
ARGE pedevilla-gbd
Bauherr: Gemeinde Kössen
Ort: Kössen / AT
Kubatur: 26.500 m³
Baukosten: 16.5 Mio
Mitarbeit: Franziska Nuber, Johanna Herzog, Anna-Lena Bodendörfer, Roman Holzinger, Paula Thurow, Pia Engler
Fotos: Gustav Willeit

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