Zweistufiger Wettbewerb - NÖ Pflege- und Betreuungszentrum, Waidofen an der Ybbs
3. Platz

Der zweistufige Wettbewerb für den Neubau des NÖ Pflege- und Betreuungszentrums in Waidhofen an der Ybbs verfolgt das Ziel, ein zukunftsweisendes Pflegeumfeld zu schaffen, das den steigenden Anforderungen moderner Pflege- und Betreuungskonzepte gerecht wird. Am neuen Standort soll ein Pflege- und Betreuungszentrum mit 144 stationären Pflegeplätzen sowie einem integrierten Tageszentrum für 20 Tagesgäste entstehen. Neben funktionalen Anforderungen steht insbesondere die Schaffung eines identitätsstiftenden Ortes im Mittelpunkt, der soziale Teilhabe, Gemeinschaft und individuelle Betreuung gleichermaßen ermöglicht.
Unser Wettbewerbsbeitrag versteht sich als räumliche Übersetzung eines zeitgemäßen, personenzentrierten Pflegeverständnisses. Im Zentrum des Entwurfs steht der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen nach Privatheit, Orientierung, Gemeinschaft und Selbstbestimmung. Die architektonische Struktur folgt dabei dem Leitmotiv: Privatheit – Nachbarschaft – Siedlung – Dorfgemeinschaft
Der Neubau entwickelt sich als vierblättrige Gebäudefigur rund um ein gemeinschaftliches Zentrum. Wie ein Kleeblatt fächert sich das Volumen auf und vermittelt städtebaulich zwischen den kleinmaßstäblichen Wohnstrukturen nördlich der Ybbs und den größeren Baukörpern des benachbarten Landesklinikums. Die zentrale Mitte bildet das soziale Herz des Hauses: ein Ort der Begegnung, Orientierung und Gemeinschaft. Von hier aus organisieren sich die einzelnen Wohnbereiche mit abgestufter Privatheit und klaren Nachbarschaften.
Die charakteristische Kleeblattstruktur erzeugt vier differenzierte Höfe mit jeweils eigener Atmosphäre und Funktion: Eingangshof, Gemeinschaftshof, Servicehof und Therapiehof. Diese Freiräume sind integraler Bestandteil des Gesamtkonzepts. Sie schaffen geschützte Außenbereiche für Aufenthalt, Bewegung und therapeutische Nutzung und fördern gleichzeitig Orientierung und Tageslichtversorgung bis tief in das Gebäudeinnere. Hochbeete, Rundwege, Aufenthaltsbereiche und gemeinschaftliche Aktivitäten stärken die aktive Teilhabe der Bewohnerinnen und Bewohner am Alltag.
Die Architektur versteht sich dabei nicht als Institution, sondern als Lebensraum. Jedes Regelgeschoss übersetzt die Idee eines Dorfes in eine kleinstrukturierte räumliche Organisation: private Zimmer als „Häuser“, gemeinschaftliche Bereiche als „Nachbarschaften“ und zentrale Aufenthaltsflächen als „Dorfplatz“. Dadurch entsteht ein Umfeld, das soziale Beziehungen fördert und gleichzeitig individuelle Rückzugsmöglichkeiten bietet.
Besonderes Augenmerk liegt auf der Verbindung von sozialem Konzept, funktionaler Organisation und klimatischer Qualität. Die eingeschnittenen Höfe wirken als Mikroklima-Oasen und unterstützen natürliche Belichtung, Belüftung und Orientierung. Therapie- und Demenzgärten sowie öffentlich zugängliche Grünräume schaffen differenzierte Landschaftsräume mit hoher Aufenthaltsqualität und fördern Biodiversität sowie generationenübergreifende Begegnungen.
Der Entwurf formuliert damit eine klare Haltung zur Zukunft des Pflegebaus:
„Von der Betreuung in der Institution zum Leben in Gemeinschaft und Privatheit. Individualität und Selbstbestimmtheit als Leitkultur.“

Wettbewerb: 2026 - 3. Platz 
Bauherr: Land Niederösterreich
Ort: Waidhofen an der Ybbs
Kubatur: 44.700 m³

Baukosten: 27.5 Mio

Mitarbeit: Irene Feichter,  Franziska Nuber

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