Villa Drumler
Am Rand des gewachsenen Siedlungsgefüges von Sand in Taufers, dort, wo touristische Nutzung, Alltagsleben und Landschaft ineinandergreifen, entsteht mit der Villa Drumler ein neues Gebäude. An die Stelle der bisherigen Residence – Restaurant Wiesenhof tritt ein Neubau, der Vorhandenes aufnimmt und weiterführt.
Es geht dabei weniger um einen Ersatz als um eine Neuordnung. Gastlichkeit, Wohnen und Rückzug werden neu zueinander in Beziehung gesetzt. Das Haus fügt sich in Maßstab und Nutzung in den Ort ein und entwickelt einen vertrauten Standort behutsam weiter.
Die Idee folgt einem einfachen Bild: einem kompakten Haus, das sich nach oben entwickelt. Ein „Haus mit Dach“, wie es sich die Bauherr:innen früh gewünscht haben. Dieser Gedanke prägt den Entwurf bis heute. Die Form greift das klassische Dachmotiv auf und übersetzt es in eine zeitgemäße Architektur. Auch die Farbigkeit und die feine Ornamentik nehmen Bezug auf historische, weibliche Trachten: dunkel und kraftvoll in ihrer Wirkung, klar präsent im Ausdruck. Schmückend, festlich und zugleich funktional.
Das Gebäude ist klar gegliedert und lebt vom Spannungsfeld zwischen geschlossenen und offenen Bereichen. Während sich das Erdgeschoss öffnet, einladend und kommunikativ wirkt und den Zugang markiert, bleiben die darüberliegenden Ebenen ruhiger und kompakter. Große, halbrunde Einschnitte sind dabei prägend und formen Loggien, die als geschützte Räume zwischen Innen und Außen liegen. Sie schaffen Rückzug, ohne den Bezug zur Umgebung zu verlieren. Sie geben dem Baukörper eine eigene Identität und übersetzen das Motiv des Daches in eine zeitgenössische Form.
Über insgesamt fünf Geschosse entwickelt sich das Haus weiter: nach oben in die ruhigeren Bereiche, nach unten in die funktionale Basis. Die Erschließung bleibt einfach und klar organisiert, mit einem zentralen Stiegenhaus und einer direkten Anbindung des Untergeschosses.
Im Inneren setzt sich diese Klarheit fort. Im Erdgeschoss entsteht ein offener Raum für Ankommen, Aufenthalt und Austausch. Küche und Restaurant sind so angelegt, dass sie flexibel genutzt werden können, für Frühstück, kleinere Veranstaltungen oder gemeinsame Momente. Große Öffnungen lassen Licht tief in den Raum fallen und verbinden ihn mit der Umgebung.
In den beiden darüberliegenden Geschossen befinden sich zehn Einheiten. Sie sind eigenständig organisiert und jeweils mit Küche, Sauna und Loggia ausgestattet. Diese Ebenen bilden den Kern des Hauses und ermöglichen unabhängiges Wohnen mit Rückzugsmöglichkeiten.
Das Dachgeschoss bildet den ruhigsten Bereich mit großzügigeren Einheiten und südorientierten Loggien.
Das Dachgeschoss bildet den ruhigsten Bereich mit großzügigeren Einheiten und südorientierten Loggien.
Die Konstruktion ist bewusst einfach gehalten. Ein massiver Baukörper aus Beton formt die Grundlage, innen verputzt und außen mit Holz verkleidet. Die Materialien stammen aus dem regionalen Kontext und folgen handwerklichen Traditionen. Holz, Stein und Putz werden reduziert eingesetzt und prägen die Atmosphäre.
Besonders der Boden aus massiver Fichte, als Mondholz im Ahrntal geschlägert, gibt den Innenräumen eine starke Verankerung. Sichtbeton als Waschbeton mit dunklen Zuschlägen tritt als prägende Oberfläche in Erscheinung, während helle Holzoberflächen im Inneren und die dunkle Holzfassade nach außen das Erscheinungsbild bestimmen. Kalkputz sorgt für weiche Übergänge, Terrazzo mit lokalen Gesteinen verbindet das Haus mit dem Ort. Das Dach wird mit Schiefer gedeckt.
Diese Materialien altern. Sie verändern sich, reagieren auf Witterung, Nutzung und Zeit. Genau darin liegt ihre Qualität: Das Gebäude entwickelt mit den Jahren eine Patina, die seine Geschichte sichtbar macht und steht damit für eine Wertigkeit und Beständigkeit, wie man sie von früheren Generationen kennt.
Ornamentik spielt eine leise, aber präzise Rolle. Sie findet sich in der Fassade ebenso wie im Innenraum. Nicht als Dekor, sondern als strukturierendes Element, das Tiefe erzeugt und Orientierung bietet.
So entsteht ein Haus, das eine klare Präsenz entwickelt und in seiner Erscheinung einen bewussten Akzent im gewachsenen Umfeld setzt.
Projekt und Realisierung: 2022 - 2026
Bauherr: privat
Ort: Sand in Taufers / I
Kubatur: 8.600 m³
Mitarbeiter: Matteo Bolgan, Michael Rollmann, Irene Feichter
Renderings: Filippo Bolognes
Bauherr: privat
Ort: Sand in Taufers / I
Kubatur: 8.600 m³
Mitarbeiter: Matteo Bolgan, Michael Rollmann, Irene Feichter
Renderings: Filippo Bolognes